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DAS OASIS-PROJEKT

1. Einführung

Hindernisse für die Selbstständigkeit älterer Menschen gibt es viele. Körperliche bzw. geistige Gebrechen zählen ebenso dazu wie widrige Wohnbedingungen, unzureichende Mobilität oder etwa fehlende Information über Gesellschaft und Kommunikationsdienste. Auch ein geringes Einkommen ist für ältere Menschen mitunter ein großer Hemmschuh im Alltag. Zwei Trends zeichnen sich vor diesem Hintergrund im 21. Jahrhundert besonders deutlich ab: Zum einen entwickelt sich die Informations- und Kommunikationstechnologie rasant und dringt sukzessive in nahezu sämtliche Lebensbereiche vor. Zum anderen altert die Bevölkerung zusehends; sowohl der Staat als auch privatwirtschaftliche Unternehmen haben den offenkundigen Handlungsbedarf zwischenzeitlich erkannt. Die weitreichenden und nachhaltigen Folgen des demographischen Wandels generieren eine enorme technologische Herausforderung, bieten aber zugleich ungeahnte Möglichkeiten. Als typisches Beispiel sei das Internet als Medium zur sozialen Integration zahlloser Menschen weltweit genannt.

2. Ziel und angestrebte Ergebnisse

OASIS hat eine innovative und offene Referenzarchitektur zur kostengünstigen Vernetzung neuer und bestehender Dienste aus allen Lebensbereichen älterer Menschen zum Ziel. Ontologien bilden die Grundlage dieser Architektur, die semantische Dienste mit Blick auf eine eigenständige Lebensgestaltung bzw. Verbesserung der Lebensqualität umfasst. Sie wird zusammen mit den entsprechenden Softwarewerkzeugen quelloffen zur Verfügung stehen. Anwendungsfreundlichkeit und Akzeptanz haben in diesem Projekt höchste Priorität: Die gesamte Dienst- und Anwendungsentwicklung verfolgt konsequent das Konzept des nutzerzentrierten Systementwurfs.

Zieldomänen von OASIS

Abb.: Zieldomänen von OASIS

OASIS steht für ein innovatives System zur nahtlosen Vernetzung und interoperablen Nutzung von Inhalten verschiedener Dienste und Ontologien. Dabei werden mehr als ein Dutzend Servicearten mit Relevanz für ältere Menschen miteinander verknüpft.

Diese berücksichtigen Bedürfnisse und Wünsche aus dem Anwendungsbereich für

  • selbstständiges Leben(Ernährungsberater, Aktivitätstrainer, Gehirn- und Fähigkeitstrainer, Plattform für soziale Netzwerke, Gesundheitsüberwachung und Umgebungsüberwachung),
  • autonome Mobilität(seniorenfreundliche Transportinformationsdienste, Navigationssysteme, persönliche Mobilitätsdienste) sowie
  • intelligente Büroanwendungen(mobile Kommunikationsendgeräte, biometrische Authentifizierungsschnittstellen und multimodale Dialoge, sowie weitere intelligente Büroanwendungen).

3. Die Teilprojekte in Kürze

Das OASIS-Projekt ist in fünf Teilprojekte mit jeweils unterschiedlicher Zielsetzung untergliedert.

Teilprojekt 1: Referenzarchitektur, Benutzerschnittstelle, Plattform und Werkzeuge

Im Teilprojekt 1 wird eine innovative, erweiterbare Referenzarchitektur (genannt COF: Common Ontological Framework) für Organisation, Wartung und Anwendung heterogener Ontologien erstellt. Deren wesentliche Merkmale sind:

  • Interoperabilität zwischen verschiedenen (Web-)Services aus der gleichen oder aus unterschiedlichen Anwendungsdomänen.
  • Gemeinsame Nutzung von kontextuellen Informationen zwischen verschiedenen Objekten und Services.
  • Nahtlose Vernetzung von Hardwarekomponenten untereinander, von Hardwarekomponenten zu Services und von Services untereinander.
Teilprojekt 2: Applikationen für selbstständiges Leben

Der Prozess des Alterns geht gewöhnlich mit zunehmender Gebrechlichkeit sowie fortschreitendem funktionalen, kognitiven und körperlichen Abbau einher – mit der Folge eines möglichen Verlustes der Selbstständigkeit. Durch Veränderungen im Alltag der Betroffenen können die negativen Begleiterscheinungen des Älterwerdens jedoch gemildert oder verlangsamt werden. Daher werden auf der Basis der Referenzarchitektur aus Teilprojekt 1 verschiedene Anwendungen bzw. Services entwickelt. Dies sind im Einzelnen:

Ernährungsberater: Ein „virtueller Ökotrophologe“ gibt älteren Menschen Tipps zur Verbesserung ihrer Ernährung. Die personalisierten Empfehlungen können so leichter zur täglichen Gewohnheit werden.

Aktivitätstrainer: Diese Anwendung motiviert ältere Menschen zur sportlichen Betätigung mit dem Ziel, altersbedingte Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats und des Herz-Kreislauf-Systems zu reduzieren. Kontrolle, Unterstützung und Anleitung zum Training verschiedener körperlicher Aktivitäten gehören zu den Aufgaben des „elektronischen Physiotherapeuten“.

Gehirntrainer: Dieser fördert durch verschiedene Übungen und simulierte Szenarien die geistige Gesundheit. Eine Reihe personalisierter Übungen soll dem Erhalt des Gedächtnisses und der geistigen Fitness dienen.

Soziale Netzwerke und Freizeitplattform: Diese Anwendung bezieht sich auf den Aufbau sozialer Netzwerke auf verschiedenen Ebenen, um Gemeinschaftserfahrungen zu erleichtern und der sozialen Isolation allein lebender Senioren entgegenzuwirken.

Gesundheitskontrolle: Ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement soll über die reine Überwachung von Vitalparametern hinaus den optimalen Gesundheitszustand älterer Menschen bei ihren täglichen Aktivitäten sicherstellen.

Haustechnik: Haustechnikanwendungen (Domotics) sollen dafür sorgen, dass ältere Menschen zu Hause sicherer und komfortabler leben.

Teilprojekt 3: Applikationen für autonome Mobilität und intelligente Büroanwendungen

Dieses Teilprojekt widmet sich Aktivitäten, die ältere Menschen dazu motivieren, ihre eigenen vier Wände häufiger zu verlassen. Es geht hierbei um Aufbau und Pflege gesellschaftlicher Beziehungen unter Wahrung von Sicherheit und Komfort. Innovative Funktionalitäten erleichtern beispielsweise das Autofahren, vermeiden Risiken und beschleunigen Hilfeleistungen im Notfall. Ein neuer Prototyp von Navigationsgeräten wird dabei die kognitiven Bedürfnisse und Verhaltensmuster speziell älterer Menschen berücksichtigen. Weitere zielgruppenspezifische Mobilitätsdienste wie Reiseplanung, Navigationsassistenz, erweiterter Notruf und Kfz-Ferndiagnostik sowie Fahrerüberwachung sollen angeboten werden. Die Integration dieser Aspekte im Rahmen übergreifender Konzepte wie barrierefreier Tourismus, freizeitbezogene und gesellschaftliche Aktivitäten ist in Planung. Sogar eine längere aktive Teilnahme von Seniorinnen und Senioren am Berufsleben – sei es unterwegs oder in Telearbeit – ist denkbar.

Teilprojekt 4: Geräte, Systemintegration und Standorte von Pilotanwendungen

Alle entwickelten Applikationen werden europaweit evaluiert. Standorte einzelner Pilotanwendungen befinden sich in Großbritannien, Deutschland und Italien; die Standorte in Rumänien, Griechenland und Bulgarien bilden einen Verbund. Probanden sind mehrere Hundert ältere Menschen in der Rolle des Anwenders, Pflegepersonal und weitere Beteiligten. Ziel ist es, den Gesamterfolg der Teilprojekte zu untersuchen und notwendige Daten zur Optimierung der entwickelten Anwendungen auch über die Projektlaufzeit hinaus zu gewinnen.

Standorte der OASIS-Pilotanwendungen

Abb.: Standorte der OASIS-Pilotanwendungen

Teilprojekt 5: Vorhabensübergreifende Aktivitäten

Dieses Teilprojekt umfasst die notwendigen unterstützenden Aktivitäten, um die Realisierung der anderen Teilprojekte sicherzustellen. Hierunter fallen insbesondere Projektmanagement, Verbreitung, Marketing und Verwertung der Projektkonzepte und -ergebnisse (inkl. Geschäftsszenarien und Kosten-/Nutzenanalysen). Weiterhin sind Berücksichtigung ethischer und geschlechtsbezogener Gesichtspunkte, Schulungsmaßnahmen der Projektpartner im Bezug auf die Anforderungen der Technologie sowie Standardisierung der OASIS-Plattform und der Anwendungen durch das weltweite OASIS Industrieforum diesem Teilprojekt zuzuordnen.

 

 
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